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„Das ist ein Speiselokal. Hier können Sie nicht nur etwas trinken." | | | |
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Liebe Leserin, lieber Leser,
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unweigerlich schießt mir die Schmähung von der „Servicewüste Deutschland“ in den Kopf, wenn ich an einem der womöglich letzten sonnigen Tage des Spätsommers von einer Servicekraft auf einer Restaurantterrasse mit Rheinblick diesen Satz zu hören bekomme. | | | |
Und zwar auf die freundliche Frage, ob es möglich sei, nur einen Aperitif zu trinken. Zumal es sich angesichts von Dutzenden freien Tischen, die weder reserviert noch einladend eingedeckt waren, und des nahenden Sonnenuntergangs vielleicht die einzige Chance war, wenigstens noch diesen Umsatz zu machen. Wie Gastronomie sich selbst ruiniert Erinnerungen an DDR-Erfahrungen, wo der Gast in menschenleeren Restaurants ein „Alles besetzt“ entgegengeschmettert bekam, oder an den inzwischen Legende gewordenen Hinweis „Draußen nur Kännchen“ sind keineswegs zufällig, sondern überaus beabsichtigt. Zumal der Selbstbedienungs-Kiosk desselben Hotels in bester Beueler Rheinlage um 18.25 Uhr den Sonnenuntergangs-Konsumwilligen ebenfalls die kalte Schulter gezeigt hatte. Wegen Reichtums geschlossen? Bei allem Verständnis für manche Probleme der Gastronomie, einige davon macht sie sich selbst. Kein Wein für Tagungsgäste Und das war nur die Fortsetzung des Vorabends, wo beim Besuch einer stadtbekannten Pizzeria nur noch zwei Flaschen Rosé statt des gewählten Weißweins als einzige Flaschenweine zur Verfügung standen. Zum Glück nahm es die Gruppe aus Tagungsgästen, zu der auch internationale Teilnehmer gehörten, mit Humor. Auch wenn dem ersten, immerhin noch sozialverträglichen Gewächs ein anderer Wein folgte, der die Toleranz auf eine erhebliche Probe stellte. „Kommt zu uns, da gibt es Wein genug“, scherzte ein Pariser Kollege. Und der Ruf der Bonner Gastlichkeit konnte nur mit viel Charme und dem anschließenden Besuch in einer gut sortierten Weinbar ein wenig wiederhergestellt werden. Passieren solche Dinge nur mir? Oder haben Sie ähnliche Erlebnisse beizutragen? Ich bin gespannt auf Ihre Zuschriften unter foodies@ga.de.
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Mit Humor, Charme und Sachverständnis: Michael Prinz zu Salm-Salm (hinten rechts) ist bei der Auktion an der Nahe der Auktionator.
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| Foto: Peter Bender | | | |
Zwei Tickets für die VDP-Weinversteigerung Wirklich überhaupt kein Mangel an Wein herrscht bei den Versteigerungen der VDP-Weingüter. Und noch besser: Bei der traditionellen Veranstaltung des Verbands der Prädikatsweingüter gibt es vor und während der Auktion das Gros der angebotenen Weinschätze für alle zu verkosten. Mitbieten kann selbstverständlich auch jeder – auch nur um eine Flasche. Wer wissen möchte, wie es dort zugeht, dem sei der Artikel unserer überaus weinkundigen Autorin Caro Maurer empfohlen. Das lohnt sich noch mehr, wenn Sie am 7. November noch nichts vorhaben: Denn zwei GA-Leser können an der Nahe mit dabei sein. Nachtleben langsam toter als tot Haben Sie es gemerkt? Bisher habe ich mir jeden Kommentar zum Kneipensterben und dem Verschwinden des Metzgergewerbes aus dem Stadtbild verkniffen. Dabei bin ich persönlich betroffen. Und zwar nicht nur, weil wir in einer Stadt ohne nennenswertes Nachtleben daheim sind. Ein Zustand, der sich anscheinend noch weiter steigern lässt. Dabei hatte der Diplomat und Thrillerautor John le Carré bereits in den späten 1960er Jahren den Ruf weltweit verfestigt, dass Bonn halb so groß sei wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot. Nun schließt also auch noch das Babel nach Pendel und Cartoon, die Zukunft der Nachtschicht scheint ungewiss. Kein Sterbenswörtchen über Metzger Was bleibt da noch? Fürs Frustfressen empfehlen wir nicht nur Süßschnäbeln einen Besuch beim neu eröffneten Schweizer Chocolatier Läderach an der Bonner Remigiusstraße. Köstlich! Aber ob das ein Ersatz für den legendären Fleischsalat der Bad Godesberger Metzgerei Voigt darstellt, darf bezweifelt werden. Der wird den Kunden aber ebenso fehlen wie die lustigen Geplänkel mit Chef Nikolas Nürnberg und seinen Mitarbeitern, die jeden Einkauf begleiten. Eine Kostprobe gefällig? Journalistin und Kundin: „Unsere Leserinnen und Leser fordern Ihr Fleischsalatrezept.“ Nürnberg: „Kostet 100.000 Euro. So viel verdienen wir damit im Jahr.“ Andere Kundin an Journalistin: „Sollen wir teilen? Ich sterbe, wenn’s den nicht mehr gibt...“ Zumindest in Sachen Rezept kam es trotz dieser Dringlichkeit bisher zu keinem Abschluss. Außerdem sind die notwendigen Wurstmaschinen bereits nach Polen verkauft. Und jetzt kein Sterbenswörtchen mehr über Metzger wie Hielscher, Klein, Haupt und und und... Oberkasseler Lichtblick
Aber wir lassen den Kopf nicht hängen und das Besteck nicht sinken. Meinen Glauben an die Bonner Gastronomie haben nach dem gescheiterten Apéro-Versuch am Beueler Rheinufer Jana und Sebastian Schipulle im Oberkasseler Savvy Nosh wiederhergestellt. Obwohl wir viel zu früh und damit deutlich vor unseren Freunden, mit denen wir dort verabredet waren, am schön gedeckten Tisch saßen, gab es was zu trinken. Und anschließend ein wunderbares Samstagabend-Menü. | | | |
In diesem Sinne: Lassen Sie sich den Appetit nicht verderben! Herzliche Grüße Ihre Sylvia Binner | | | |
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Sylvia Binner stellvertretende Chefredakteurin | | | |
| Sie haben Fragen, Anregungen oder Feedback? Dann schicken Sie eine E-Mail an foodies@ga.de. | | | |
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